CTRS Lessons learnt nach dem ersten Jahr Projektumsetzung

Projekt Communauté Tunisienne Résidente en Suisse pour le développement (CTRS) – Erkenntnisse nach dem ersten Jahr Projektumsetzung

Von Lukas Rüst, verantwortlich für den Bereich Migration und Schutz in der Abteilung Internationale Zusammenarbeit der schweizerischen Botschaft in Tunesien.

 

Nachdem er im letzten Newsletter (https://www.shareweb.ch/site/Migration/project-sdc/archive/ctrs )  Anfangserfahrungen teilte, erklärt uns Lukas Rüst* Erkenntnisse aus dem ersten von der Schweiz direktimplementierten Diaspora-Projekt : Communauté Tunisienne Résidente en Suisse pour le développement (CTRS), finanziert vom Globalprogramm Migration und Entwicklung (GPMD) der DEZA. 

 

Das Projekt soll einen Beitrag dazu leisten, dass die Kompetenzen und das Knowhow der tunesischen Diaspora in der Schweiz genutzt werden zugunsten der Entwicklung von Tunesien, insbesondere von benachteiligten Regionen. Das Vorhaben läuft über fünf Jahre bis 31.12.2018 mit einem Gesamtbudget von 3,5 Millionen Franken und einem Team von drei tunesischen MitarbeiterInnen in Tunesien und der Schweiz, die der Abteilung Internationale Zusammenarbeit der Schweizerischen Botschaft in Tunesien unterstellt sind. Es umfasst vier Komponenten.

 

  1. Stärkung der institutionellen Rahmenbedingungen in Tunesien zur Unterstüzung der TunesierInnen im Ausland
  2. Entwicklungsinitiativen (Kleinprojekte, technische Beratung von DiasporaunternehmerInnen)
  3. Knowhow-Transfer von TunesierInnen in die Schweiz zur Entwicklung in Tunesien
  4. Unterstützung der Umsetzung des schweizerisch-tunesischen Abkommens zum Austausch von jungen Berufsleuten

 

Mittlerweile hat das Projekt namentlich folgende Resultate erzielt:

  1. Unterzeichnung von drei Entwicklungsprojekten, die von Vereinen von TunesierInnen in der Schweiz zusammen mit lokalen Partnerorganisationen in Tunesien durchgeführt werden;
  2. Unterstützung von 12 Diaspora-Unternehmensprojekten
  3. Schaffung der ersten Praktikumsplätze im Rahmen des schweizerisch-tunesischen Abkommens zum Austausch von jungen Berufsleuten.

 

Bei dieser Gelegenheit teilen wir gerne erste Lessons learnt mit:

 

  1. Die „binationale" Projektstruktur mit Teammitgliedern in Tunesien und in der Schweiz bringt eindeutig einen Mehrwert. Die meisten Diasporaprojekte werden von einem Land aus umgesetzt, meinst vom Emigrationsland aus. Der Zugang zu Partnern im anderen Land ist dementsprechend erschwert. Die Präsenz des Projekts im Herkunftsland Tunesien fördert die Koordination und schafft Synergien mit Partnerorganisationen und weiteren Entwicklungsprojekten. Wir empfehlen, dass eine ähnliche Projektstruktur auch in der Entwicklung von neuen Diasporaprojekten geprüft wird.

     
  2. Der Kommunikationsaufwand sollte nicht unterschätzt werden: Die Zielgruppe ‚tunesische Diaspora in der Schweiz' ist äusserst vielfältig. Die Entwicklung und ständige Aufdatierung einer Webseite (www.ctrs.ch) zu Informations- und Transparenzswecken ist zwar wichtig, genügt jedoch nicht. Das Projekt setzt deswegen auch auf fortlaufende Information, die Erweiterung der Kontaktdatenbank und Dokumentation von Projektaktivitäten mittels Video.

     
  3. Klare Anforderungen an Diasporaorganisationen stellen, Begleitung wahrnehmen: Die meisten Diasporaorganisationen hatten im Vorfeld des Projekts mehr Erfahrungen mit humanitären Aktionen oder Veranstaltungen als mit Entwicklungsprojekten. Deshalb hat CTRS 2014 einen Call for Proposals für kleine Entwicklungsprojekte von bis zu CHF 12'000 und 9 Monaten durchgeführt, namentlich um das Potential Diasporaorganisationen von TunesierInnen in der Schweiz zu testen. Wie bei grösseren Partnerorganisationen haben wir die Einreichung von insgesamt 9 Dokumenten von den Diasporaorganisationen verlangt. Alle drei interessierten Organisationen haben mitgemacht, wurden geschult in Projektmanagement von einer bekannten Ausbildnerin für DEZA-Personal und führen jetzt ihre Projekte durch. Dies wurde möglich, weil das Projektteam die Diasporaorganisationen mehrmals getroffen und beraten hat.  Wir denken, dieser Ansatz hat sich bewährt. Trotz relativ geringer Beträge für eine erstmalige Finanzierung haben bereits zusätzliche Organisationen ihr Interesse an einer Finanzierung durch CTRS signalisiert, deswegen werden wir auch 2015 einen Call for Proposals durchführen.

     
  4. Die Unterstützung von Diasporaunternehmen muss klar definiert werden: Diaspora-Unternehmensprojekte stellen uns vor eine grössere Herausforderung. Für CTRS stehen vor allem Projekte im Vordergrund, die einen Mehrwert für die Entwicklung von Tunesien haben. Allerdings haben wir bisher erst zwei Geschäftsideen von TunesierInnen aus der Schweiz erhalten, die den Anforderungen entsprechen, gegenüber 10 Geschäftsideen von Tunesierinnen in Frankreich, die mit relativ wenig Aufwand unserereseits entwickelt worden sind. Insofern wäre wahrscheinlich eine etwas längere Anlaufphase besser gewesen, um Bedürfnisse und Unterstützungsmodalitäten klarer zu definieren.

 

Für 2015 ist der Umzug des Projektteams ins Office des Tunisiens de l'Etranger (OTE) geplant, also eine engere Anbindung an die staatlichen Partner und Beginn der Unterstützung auf staatlich-institutioneller  geplant. Gerne stehe ich zusammen mit dem Team weiterhin zur Verfügung für Wissensaustausch.

 

 

Links: Sur le même thème et en particulier l'accord sur la mobilité des jeunes professionnels : https://www.dfae.admin.ch/countries/tunisia/fr/home/actualite/nouveautes.html/content/countries/tunisia/fr/meta/news/2015/fevrier/accord-jeunes-professionnels